Warum mache ich eigentlich Rätsel? - Denkausstellung "6 ways of thinking"
- Annekatrin Baumann

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Auf die Frage nach dem eigentlichen Sinn in meinem Beruf als Rätseldesignerin kann ich inzwischen glücklicherweise eine (für mich) einfache Antwort geben:
Ich liebe es zu denken! Und ich hoffe, mit meinen Rätseln dazu beizutragen, dass Menschen die Freude am Denken wiederentdecken.
Wenn sie zusätzlich noch sogenannte "Lösungs-Resilienz" entwickeln, also die Fähigkeit zu akzeptieren, dass die erste Idee falsch war und sie einen anderen Ansatz ausprobieren müssen, statt direkt aufzugeben, habe ich für mich in meiner Welt wirklich alles erreicht.
Mit der seit April 2016 eröffneten Ausstellug "6 ways of thinking", die im Open Space Heilbronn täglich und kostenlos zu erleben ist, durfte ich mein Traumprojekt realisieren:
An insgesamt 6 Stationen können die Besucher:innen verschiedene Denkarten in
spielerischen Herausforderungen einzeln oder im Team kennenlernen anwenden.
Dabei werden die Stationen bewusst mit Alltagsgegenständen umgesetzt, um zu
verdeutlichen, dass Denken nichts Akademisches, sondern etwas Alltägliches ist, das wir alle zum Überleben brauchen.
In diesem Blogpost möchte ich die einzelnen Stationen, deren Intention und vorallem den Vergleich zwischen dem ersten Konzept und dem finalen Ergebnis festhalten.
Keines der folgenden Bilder wäre möglich gewesen, ohne Yvonne Leuze und ihr Team. Sie ist für das Ausstellungsdesign und die Umsetzung verantwortlich, während ich Konzept, Texte und Elemente einzelner Stationen beisteuern durfte.
Deduktive Logik
Was ist deduktive Logik?
Die deduktive Logik ist eine Denkweise, bei der wir von allgemeinen Regeln oder Prinzipien
ausgehen und daraus konkrete Schlussfolgerungen ableiten. Sie funktioniert nach dem
„Wenn-Dann“-Prinzip: Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, folgt daraus eine
logische Konsequenz. Diese Denkweise ist besonders wichtig für eine präzise
Informationsverarbeitung, weil sie uns hilft, aus einer Vielzahl von Fakten und Regeln klare,
zuverlässige Aussagen abzuleiten.
Spielerische Ebene und Station
Die grundlegende Idee war ein vereinfachter Nachbau des bekannten Mastermind-Spielprinzips mit einem alten Wählscheibentelefon. Die Besucher:innen sollten an der Station eine 4-stellige Telefonnummer herausfinden. Nach jedem Wahlversuch bekommen sie Feedback in Form von farbigen Lichtern, welche der gewählten Ziffern bereits richtig sind, welche richtig aber an der falschen Position sind und welche Ziffern falsch waren.
Eine ausführliche und äußerst lesenswerte Dokumentation des Projektes ist auf der Webseite von Oliver Metzger, dem "Mastermind" hinter der Programmierung und Elektronik der Station, zu finden. https://mezmedia.de/etc/maker/3-2b-telefonmastermind/
Für mich war diese Station die erste große Herausforderung im Bereich 3D Druck. Das designen und drucken der Box, die genau zu den gewählten Hardware-Komponenten passen musste, hat mich immer wieder abwechselnd an mir und an der genutzten Software zweifeln lassen. Die Lernkurve war steil, aber dafür war der Stolz auf die ersten eigen erdachten Komponenten, die dann auch wirklich funktioniert haben, umso größer.
Induktive Logik
Was ist induktive Logik?
Induktive Logik ist eine Denkweise, bei der wir aus einzelnen Beobachtungen allgemeine
Regeln ableiten. Während die deduktive Logik von festen Regeln auf konkrete Fälle schließt,
funktioniert induktives Denken genau andersherum: Wir erkennen Muster, wiederkehrende
Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten und formulieren daraus allgemeine Prinzipien.
Spielerische Ebene und Station
Der große Nudelteller mit der überdimensionierten Gabel ist die Station, die meinen anderen Projekten am meisten ähnelt . Letzten Endes verstecken sich auf dem Teller und dem zugehörigen Menü zwei klassische Escape-Rätsel, die es mithilfe von Mustererkennung zu lösen gilt.
Auch für diese Station durfte ich die 3D Druck Komponenten beisteuern, während Yvonne und ihr Team die Tellerkonstruktion gebaut haben. Problematisch war vorallem, dass die Nudel-Soßen-Kleckse magnetisch haften und bewegbar sein sollten. Dementsprechend musste auch der Teller magnetisiert werden. Die Magnetfolie hatte jedoch nur wenig Halteleistung, was letzten Endes nur mit ultrastarken Beleuchtermagneten für die nur wenige Gramm schweren Nudeln gelöst werden konnte.
Ich bin noch immer absolut fasziniert, wie nah die finale Konstruktion an meiner ersten Skizze ist und freue mich wie die großen, gedruckten Nudeln immer wieder für Erstaunen sorgen.
Planung und Strategie
Was sind Planung und strategisches Denken?
Planung und Strategie sind essenzielle Denkweisen, die uns helfen, Ziele zu setzen und zu
erreichen. Sie ermöglichen es uns, unser Handeln im Voraus zu strukturieren, Ressourcen
effizient zu nutzen und flexibel auf Herausforderungen zu reagieren. Ohne Planung würden
wir im Alltag ständig improvisieren müssen – sei es bei großen Lebensentscheidungen oder
bei kleinen alltäglichen Abläufen.
Spielerische Ebene und Station
Bei dieser Station handelt es sich um ein 2-Personen Strategie-Spiel, das mit überdimensionalen Wäscheklammern auf einem auf dem Boden aufgeklebten Wäscheleinen-Raster gespielt wird.
Psychomotorische Aktivität
Was ist psychomotorische Aktivität?
Psychomotorische Aktivität beschreibt Denkprozesse, bei denen Geist und Körper
zusammenarbeiten, um Bewegungen gezielt auszuführen. Diese Tätigkeiten erfordern
zunächst bewusste Kontrolle, bis sie durch Übung automatisiert werden. Ein gutes Beispiel dafür ist Fahrradfahren, das am Anfang komplex und überfordernd ist, bis man es erlernt hat und fast automatisch fahren kann.
Spielerische Ebene und Station
Bei der Station handelt es sich um eine deutlich vergrößerte Version des Spiels "Shoot the moon". Die Spieler:innen versuchen mit den Essstäbchen das Fleischbällchen in einer überdimensionalen Ramensuppe in die Vertiefung mit dem höchsten
Punktewert zu bekommen.
Kommunikation
Was ist Kommunikation?
Kommunikation ist weit mehr als nur der Austausch von Informationen – sie ist eine
Denkfähigkeit, die uns ermöglicht, Gedanken präzise zu formulieren, andere Menschen zu
verstehen und Missverständnisse zu vermeiden.
Spielerische Ebene und Station
HintergrundIdee: Manchmal rollt etwas unter das Sofa: Eine Person liegt auf dem Boden und tastet im Dunkeln, während eine andere sieht, wo das Objekt liegt und versucht die tastende Hand zu dirigieren.
Es handelt sich bei der Station um ein 2-Personen-Spiel mit asynchronen Informationen. Eine Person steht vor dem Labyrinth und sieht die Kugel darin. Die andere steht auf der Rückseite des Sofas und bewegt die Kugel mit einem Magneten, jedoch ohne das Spielfeld zu sehen. Ziel ist es die Metall-Kugel von einer LabyrinthPosition zur nächsten zu bewegen.
Kreativität
Was ist kreatives Denken?
Kreatives Denken ist die Fähigkeit, neue, unerwartete und originelle Ideen zu entwickeln. Es
ermöglicht uns, über bekannte Muster hinauszudenken und innovative Lösungen zu finden.
Der:die aktive Spieler:in muss aus abstrakten Formen und Objekten vorgegebene Begriffe
zusammensetzen, die von den anderen Mitspieler:innen erraten werden.
Spielerische Ebene und Station
Dieses Spiel funktioniert ab zwei Personen kann aber auch in größeren Gruppen gespielt werden. Eine Person wird zum Erklärer:in und zieht eine Begriffskarte. Darauf findet sie eine übergeordnete Kategorie und zu erratende Begriffe, aus denen die erklärende Person einen auswählt.
Beispiel: Kategorie „Badezimmer“, gewählter Begriff „Zahnbürste“.
Die anderen Spieler:innen müssen den gesuchten Begriff erraten.
Dafür legst der:die Erklärer:in nun abstrakte Formen auf die Projektorfläche.
Durch das Licht entstehen an der Wand bunte, sich überlagernde Formen, aus denen der gesuchte Begriff erkennbar wird.





























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